Rifugio Berti


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Geschichte

Der erste Weltkrieg am Berg Popera

Am 24.5.1915 zog Italien in den Krieg und unsere Soldaten besetzten den Kreuzbergpass, der damals die italienisch-österreichische Grenze markierte. Die anderen Zonen wurden abwechselnd patroulliert.
Der 70igste Zug der Infanterie, der die Sentinellascharte bewachte, wurde von Gewehrschüssen überrascht: die Österreicher hatten den Pass und die Rotwandspitze besetzt.
Von Letzterer aus dominierte man das ganze Tal Val Comelico und der Gegner konnte jede Bewegungen der eigenen Truppen von S. Stefano di Cadore bis zum Kreuzbergpass beobachten.
Angesichts der Bedeutung dieser Stellungen wurden am 7. und 15. August, sowie am 3. September 1915 drei frontale Versuche unternommen, um die Sentinellascharte zurückzuerobern. Die steilen Anstiege und fehlender Schutz vor der Sicht der Gegner liessen diese aber scheitern.


Deshalb war es notwendig einen typischen Bergangriff mit einem Manöver von oben zu starten und zwar genau genommen über den Bergen Monte Popera und Cima Undici.
Die schwierige Aufgabe diese strategischen Stellungen zu erreichen, sie durch Seilen und Leitern zu verbinden und Biwakstellungen zu bauen, wo Waffen und Verpflegung gelagert werden konnten, wurde dem Kapitän Giovanni Sala und seinem Vize Italo Lunelli erteilt, ein unerschrockener Trientiner und geübter Kletterer.
Die erste Annährung erfolgte vom Zug des Oberleutnants De Zolt, der auf dem Gebingskamm Cresta Zsigmondy eine kleine Hütte für 30 Mann errichtete. Von diesem Punkt aus wurde das Felsband am Fusse der Torroni Sommitali des Berges Cima Undici erreicht, das den Spitznamen „La Mensola“ trug. Hier wurde eine Hütte errichtet, die später vom jetzigen Biwak ai Mascabroni ersetzt wurde.


Man schritt voran um einen Aussichtspunkt auf die Sentinellascharte zu finden und zu den Felsspalten Forcella della Caverna, Forcella della 75, Forcella della Tenda und Forcella Alta, die direkt mit Seilen und Leitern mit „la Mensola“ verbunden wurde.
Ende Februar 1916 begann es bis Mitte März heftig zu schneien. Die Vorbereitungsmassnahmen schritten nur langsam voran.
Die ersten Versuche die Felsspalte Forcella Alta zu überqueren verliefen drammatisch bis nicht ein Weg gefunden wurde eine Felsspalte zu erreichen, die den Namen Forcella Da Basso (Kriegsname von Lunelli) erhielt, und von der aus der Pass zwar in 250-300 m Entfernung dominiert werden konnte, ohne aber an ihn ranzukommen.
Man ging weiter und besetzte die Felsspalten Sala, De Poi, Da Col und Dal Canton. Die letzten zwei eigneten sich für das Gelingen der Unternehmung.
In der Zwischenzeit wurden östlich von diesen Felsspalten Stellungen der Truppen aufgebaut, die ausserhalb des Sichtfeldes der Gegner waren. Dieser Punkt wurde Insenatura delle Caverne genannt.
Es bestand zu diesem Zeitpunkt ein dringender Bedarf die Kommunikation zwischen Cima Undici und Creston Popera herzustellen. Diese Aufgabe wurde an die Skiläufer des Battaglion Fenestrelle erteilt.
Um nicht von den gegnerischen Linien von der Rotwandspitze gesehen zu werden, mussten sie nachts und bei Nebel hinabsteigen vom Gebirgskamm Cresta Zsigmondy über den Gletscher Pensile und von der Felsspalte Forcella Alta am grossen Kanal Schuster entlang.
Seit einigen Tagen hatte es bereits geschneit und viel Schnee hatte sich im Kanal angehäuft. Trotz der Schwierigkeiten versuchten die Alpini ihr Glück, aber vom Kopf des Kanals löste sich eine Lawine und riss sie über 900 m bis zum Tal hinab.
Man dachte sie wären gestorben aber sie wurden nur leicht verletzt und kurze Zeit später versuchten sie es wieder und hatten Erfolg. Sie schafften es den Gebirgskamm Creston Popera mit dem Berg Cima Undici telefonisch zu verbinden.


Zu diesem Zeitpunkt war die Unternehmung am Berg Cima Undici erfolgreich abgeschlossen. Daraufhin wurden die Waffen an strategisch wichtigen Punkten verteilt:
- ein Maschinengewehr an der Felsspalte Forcella della Tenda, die auf den Pass und auf den Schützengraben gerichtet ist, um zu verhindern, dass der Gegner die Truppen sehen konnte, die aus dem Vallon Popera hinaufstiegen;
- ein Maschinengewehr an der Felsspalte Forcella Da Col die gegen den Pass und auf die Rotwandspitze gerichtet, um Nachschub der Gegner zu verhindern;
- ein Bombenwerfer an der Felsspalte Forcella Dal Canton auf den Pass gerichtet;
- eine Kanone auf der Nordseite des Poperas, die unter dem Namen „Kanone, die von den Sternen herabschoss“ in die Geschichte einging.
Diese Waffen kamen zu den 6 Kanonen hinzu, die bereits entlang dem Gebirgskamm Creston Popera platziert wurden. Bis Ende März wussten die Österreicher nichts von dem, was die italienischen Militärs im Schilde führten, aber Anfang April gab es die ersten Allarmzeichen.
Obwohl man nicht an eine solche Mission glaubte, wurde die Abwehr des Passes mit Schützengraben verstärkt.


Der Angriff begann am Abend des 15. April 1916.



Der Plan sah einen Angriff von 3 Seiten vor.

- vom Vallon Popera

- vom Pianoro del Dito
- vom Berg Cima Undici


In der Nacht stieg Lunelli mit seinen Truppen wieder den Wall hoch und ging dabei unter dem Sasso Fuoco entlang. Über einem Kanal erreichten sie den Pianoro del Dito mit dem Gipfel auf dem Pass. Die Besetzung dieser Stellung, von der man nicht wusste, ob sie in Gegners Händen lag, war sehr wichtig, weil sie zusammen mit der Besetzung des Cima Undici die verteidigenden Linien des Passes in die Zange nahm und die Nachschubversorgung aus dem Fischleintals unterband.

Im Morgengrauen, als die Besetzung des Pianoro gewiss war, wurde vom Sasso Fuoco aus eine rote Rakete abgefeuert: das war das Zeichen.
Die Artillerie des Creston Popera und des Monte Popera, die Maschinengewehre der Felsspalte Forcella della Tenda und des Sasso Fuoco begannen ununterbrochen zu schiessen. Die Verteidiger zogen sich bis auf zwei Soldaten in die Höhle zurück, die das Maschinengewehr betätigten.
Aus dem Fischleintals stiegen die österreichischen Reservetruppen hinauf. Lunelli liess sie gewähren, bis sie in der Mitte des Schneefeldes angelangt waren und eröffnete dann das Feuer. Diese zogen sich zurück und auch ein Teil der Soldaten, die sich auf dem Pass befanden, konnten fliehen. In der Zwischenzeit näherte sich im Wall Vallon Popera der Truppenzug, der angeführt wurde vom Unteroffizier Martini, an den Pass und gleichzeitig stiegen die italienischen Militärs, die sich den Namen „Mascabroni“ gaben, vom Berg Cima Undici hinab.
Die österreichischen Soldaten waren blockiert und hissten ein weisses Handtuch als Zeichen der Aufgabe.
Die Sentinellascharte wurde von den Italienern um 13.45 des 16 April 1916 besetzt.
Die österreichische Besatzung am Pass bestand aus 16 Männern, sieben davon blieben in der Höhle hängen und wurden gefangen genommen.
Die italienischen Truppen hatten insgesamt 5 Verletzte und zahlreiche Erfrorene zu verzeichnen.


Die Nachricht vom Fall an der Sentinellascharte schlug wie ein Blitz in die Befehlszentrale des Pustertals ein: keiner dachte daran, dass jemand so eine riskante Unternehmung durchführen könne. Am Pass begannen sofort die Abwehr- und Verstärkungsarbeiten.
In den folgenden Tagen gab es einige Vesuche die Rotwandspitze zu besetzen, der sich noch in den Händen des Gegners befand. Ohne den Überraschungseffekt konnten diese aber nur misslingen, zumal man Felsnadel und Wachtürme mit der Picke und unter Beschuss der Gegner besteigen musste.


Man überlegte sich daher den Zugangsweg zur Rotwandspitze zu besetzen und so den Nachschub zu unterbrechen, um die Männer, die ihn besetzten, zur Aufgabe zu zwingen.
Geschickt agierte der Gegner, der ein Phonogramm abfing, der einen nie stattgefundenen Angriff an der Felsspalte Forcella Popera mit Transfer der italienischen Truppen in diese Zone ankündigte. Er ermöglichte den Österreicher ihre Stellungen zu verstärken und hinderte das italienische Herr daran, die Rotwandspitze ganz zu besetzen. Die Stellungen auf dem Berg Cima Undici ermöglichten dem italienischen Heer ein Observatorium einzurichten, von dem aus Innichen, die angrenzenden Zonen und den Bahnverkehr, der entlang des Pustertals verkehrte, zu kontrollieren. Zudem wurde auf der Sentinellascharte eine 70iger Kanone installiert, von der aus die erste italienische Granate auf die Station von Innichen abgefeuert wurde.
Der Krieg ging weiter bis in den Oktober 1917 ohne grössere Militäroperationen, ausser manchem sporadischen Annäherungsversuch an den Besatzungen der Rotwandspitze, wo es den Italienern gelang Stellungen zu errichten, die sich wenige Meter entfernt von den österreichisch-ungarischen und deutschen Stellungen auf dem Gipfel befanden.

Viele Erinnerungen an diesen Krieg befinden sich immer noch im Wall Vallon Popera: die alte Berghütte Sala, die die Kommandobaracke der Truppen in der Region Popera war,

die zahlreichen Schützengraben, die in dem Wall ausgegraben wurden oder

die verschiedensten kriegerischen Funde.

Zudem wurde 1983 im Gletscher des Alto di Popera die fast intakten Gebeine eines Alpino gefunden, die sich im Eis konserviert hatten (man geht davon aus, dass er von einer Lawine mitgerissen wurde) und heute im Militärfriedhof in Santo Stefano di Cadore begraben liegen. An dem Staatsbegräbnis nahm damals auch der derzeitige Staatspräsident Sandro Pertini teil.


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